Was ist Kinderdiabetes?

Kinderdiabetes ist eine Stoffwechselkrankheit aufgrund von Insulinmangel oder Resistenz gegen das Hormon Insulin bei Kindern. Diabetes mellitus, aus dem Griechischen und Lateinischen mit „honigsüßer Durchfluss“ übersetzbar, wird umgangssprachlich als „Zuckerkrankheit“ bezeichnet, was das Hauptsymptom – den dauerhaft zu hohen Blutzuckerspiegel – beschreibt. Die Bezeichnung beruht auf der historischen Diagnoseform der Erkrankung, die erstmals im 17. Jahrhundert beschrieben wurde. Früher wurde die Diagnose per Geschmacksprobe gestellt, da der Urin aufgrund eines erhöhten Glukosegehalts einen süßlichen Geschmack hat. Es gibt verschiedene Formen des Diabetes, die entweder auf Insulinmangel, einer Insulinresistenz oder beidem beruhen. Kinderdiabetes ist die häufigste Stoffwechselkrankheit im Kindesalter, er kann bereits bei Säuglingen auftreten und begleitet das Kind lebenslang. Befolgt das Kind die therapeutischen Maßnahmen und ärztlichen Anweisungen gewissenhaft, kann es aber ein weitestgehend beschwerdearmes Leben führen und Folgekrankheiten vermeiden. Seit Insulin gentechnologisch hergestellt wird, können Kinder ihren Blutzuckerspiegel durch die Eigenverabreichung von Insulin selbst beeinflussen und kontrollieren.

Kinderdiabetes Typ 1

Die gängige Form des Diabetes, die bereits im Kindesalter auftritt, ist der sogenannte Diabetes Typ 1. Früher wurde dieser Typ als jugendlicher oder juveniler Diabetes bezeichnet, wobei Jungen und Mädchen gleichermaßen betroffen sind. Diese Diabetesform zählt zu den Autoimmunkrankheiten: Spezielle Antikörper zerstören die sogenannten Beta-Zellen (auch Langerhans-Zellen oder Insel-Zellen) der Bauchspeicheldrüse, die für die Produktion von Insulin zuständig sind. Der Mangel am Hormon Insulin, das für die Verwertung des durch Nahrung aufgenommenen Zuckers und die damit verbundene Energiegewinnung des menschlichen Körpers verantwortlich ist, stört den gesamten Stoffwechsel. Die Glukose wird beim Kind mit Diabetes im Gegensatz zum gesunden Kind nicht an die Zellen abgegeben, der Blutzuckerspiegel ist dauerhaft zu hoch und der Energiehaushalt des Kindes ist gestört. Vor allem das Gehirn ist aber neben den Fett- und Muskelzellen auf die konstante Versorgung mit Glukose angewiesen. Leidet ein Kind an Diabetes Typ 1 treten in der Regel starke Beschwerden auf, die zur Diagnosestellung führen. Die äußerliche Zufuhr von Insulin ist unbedingt notwendig.

Kinderdiabetes Typ 2

Auch Diabetes vom Typ 2 kommt immer häufiger im Kindes- und Jugendalter vor. Die Zahl der betroffenen Kinder steigt stetig an, was auf den hohen Grad der Fehlernährung und des Bewegungsmangels bei Kindern zurückzuführen ist. Bei dieser Form der „Zuckerkrankheit“ ist zwar Insulin vorhanden, aber Ausschüttung und Wirkung sind gestört. Der Glukoseanteil im Blut kann nicht richtig verarbeitet werden, was den Blutzuckerspiegel erhöht. Kinderdiabetes Typ 2 kann die Folge von Übergewicht, falscher Ernährung und Bewegungsmangel sein, sodass besonders übergewichtige Kinder ein Risiko für diesen Diabetes-Typ tragen. Im Gegensatz zu Typ 1 des Diabetes kann Diabetes Typ 2 bei Kindern lange beschwerdefrei verlaufen. Dadurch liegen keine genauen Zahlen vor, wie viele Kinder in Deutschland an Diabetes Typ 2 leiden. Zu Beginn der Erkrankung kann die Umstellung des Lebensstils, besonders der Ernährung und Bewegung, dafür sorgen, dass der Blutzuckerspiegel auch ohne die Zufuhr von Insulin stabilisiert wird.

Die Symptome ähneln sich

Wenn Kinder typische Symptome für eine Diabeteserkrankung zeigen, sollte unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden, der im Krankheitsfall die Diagnose stellen und den Typ des Diabetes bestimmen kann. Eines der ersten Anzeichen für Kinderdiabetes ist übermäßiger Harndrang mit großen Mengen Urin. Oft wachen Kinder durch den Harndrang plötzlich nachts auf oder nässen das Bett ein. Ausgeglichen wird der hohe Harnverlust durch starken Durst: Ein diabeteskrankes Kind trinkt mehrere Liter Flüssigkeit pro Tag. Weitere Anzeichen für beiden Typen des Kinderdiabetes sind Juckreiz, übermäßige Müdigkeit und Gereiztheit, eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen, Gewichtsverlust sowie ein Nachlassen der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit. Beim Kinderdiabetes Typ 1 treten diese Symptome sehr plötzlich – innerhalb weniger Tage bis Wochen – auf; bei Kindern, die an Diabetes Typ 2 erkranken, entwickeln sich die Symptome langsamer.

Aufklärung und Information sind wichtig

Mit Beginn der Krankheit ändert sich der Lebensalltag eines Kindes. Das Kind, die Familie und Betreuungspersonen in Schule und Kindergarten müssen genau über den Diabetes und den Umgang damit aufgeklärt sein. Tritt ein zu hoher oder zu niedriger Blutzuckerspiegel auf, müssen die Anzeichen erkannt werden können und entsprechende Gegenmaßnahmen getroffen werden. Den Kindern müssen ihre körperlichen Grenzen und die Anzeichen für Insulinbedarf bekannt sein. Um die Beschwerden möglichst gering zu halten, sind ein geregelter Alltag, eine auf die Erkrankung abgestimmte Ernährung und die Einhaltung der Behandlungsregeln für einen gewissenhaften Umgang mit der „Zuckerkrankheit“ sehr wichtig. Der Tagesablauf von Kindern unterscheidet sich von dem Erwachsener und erfordert einen besonderen Umgang mit dem Diabetes .

Barbara Kliem

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