Ursachen von Kinderdiabetes

Der Grund für die Erkrankung von Kindern an Diabetes liegt stets im Zusammenhang mit dem in der Bauchspeicheldrüse produzierten Hormon Insulin. Je nach Typ der „Zuckerkrankheit“ ist das Hormon gar nicht vorhanden oder in der Wirksamkeit eingeschränkt. Genetische, ernährungsbedingte und umweltbedingte Faktoren spielen bei der Ursachenbetrachtung eine Rolle. Gefährlich können bei einem nicht oder falsch behandelten Kinderdiabetes die möglichen Folgen sein, zu denen neben Augen- und Nierenerkrankungen der Bewusstseinsverlust bis hin zum Diabetischen Koma gehören können.

Ursachen von Kinderdiabetes Typ 1

An der Entstehung von Kinderdiabetes Typ 1 sind sowohl genetische als auch umweltbedingte Ursachen beteiligt. Das Immunsystem spielt dabei eine große Rolle. Verschiedene Antikörper im Blut richten sich fälschlicherweise gegen den eigenen Körper und zerstören diejenigen Zellen der Bauchspeicheldrüse, die für die Produktion des Hormons Insulin zuständig sind. Diese Antikörper können sich schon einige Zeit vor Ausbruch des Diabetes bilden. Je nach Alter der Kinder können zwischen Nachweisbarkeit der Antikörper und Auftreten der Symptome bis zu 10 Jahre vergehen. Eines der auffälligsten Symptome ist eine merkliche Gewichtsabnahme innerhalb eines kurzen Zeitraums, die mit einem massiven Flüssigkeitsverlust einhergeht.
Erst wenn 80–90 % der Insulin produzierenden Betazellen zerstört sind, tritt Kinderdiabetes auf. Warum diese Antikörper entstehen, ist nicht eindeutig geklärt. Lassen sich keine Antikörper finden, was bei einem kleinen Teil der betroffenen Kinder vorkommt, spricht man von der idiopathischen Form des Kinderdiabetes. Ernährungsbedingte Ursachen von Kinderdiabetes Typ 1 werden noch erforscht.

Virusinfektionen haben Einfluss auf das Immunsystem

Man vermutet, dass bestimmte Virusinfektionen wie Masern und Röteln auf ein genetisch verändertes Immunsystem Einfluss nehmen und den „Befehl“ zur Zerstörung der Betazellen geben. Auch Herpesviren stehen im Verdacht, Diabetes zu bedingen. Wenn 80 % der Insulin bildenden Zellen zerstört sind, machen sich die Symptome der Erkrankung bemerkbar und Insulin muss lebenslang verabreicht werden. Auch wenn zunächst wenig Insulin benötigt wird, schreitet der Krankheitsverlauf fort und die Inselzellen werden weiterhin zerstört.

Diabetes Typ 1 ist erblich

Ist ein Elternteil an Diabetes Typ 1 erkrankt, beträgt das Risiko, dass das Kind an dieser Form der „Zuckerkrankheit“ leidet, ca. 3–5 %. Sind beide Elternteile betroffen, steigt das Risiko auf 10–25 %. Erkrankt ein Teil eines eineiigen Zwillingspaars, beträgt das Erkrankungsrisiko für den anderen Teil 30–50 %. Geschwister von Diabetikern tragen ein Erkrankungsrisiko von etwa 10 %. Zurzeit sind über 20.000 Kinder in Deutschland an Kinderdiabetes Typ 1 erkrankt. Alle Typ 1-Diabetiker tragen spezielle genetische Merkmale auf ihren weißen Blutkörperchen. Allerdings tragen auch andere Menschen diese Merkmale, ohne an Diabetes zu erkranken. Außerdem ist Diabetes eine sogenannte polygenetische Erkrankung, es spielen mehrere genetische Faktoren zusammen.

Ursachen von Kinderdiabetes Typ 2

Diabetes Typ 2 wurde lange als „Altersdiabetes“ bezeichnet, weil er in der Regel nach dem 30. Lebensjahr eines Menschen auftrat. Die Bezeichnung ist jedoch nicht mehr zeitgemäß, weil immer mehr Kinder an dieser Krankheit aufgrund von Insulinresistenz leiden. Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 200 Kinder neu an dieser Form des Diabetes. Erbliche und nichterbliche Faktoren spielen eine Rolle: Nichterbliche Faktoren sind in erster Linie Übergewicht, Bewegungsmangel und Fehlernährung. Übermäßige oder zu ungesunde Nahrungsaufnahme überbeansprucht die Bauchspeicheldrüse und schädigt die Inselzellen immer stärker. Tritt eine Insulinresistenz beim Kind auf, kann der Körper diese noch durch eine Mehrproduktion von Insulin ausgleichen. Erschöpft sich die Insulinproduktion nach einiger Zeit, kann der Körper den Blutzuckerspiegel nicht mehr kontrollieren und es entsteht ein Diabetes Typ 2.

Die häufigste Ursache ist Übergewicht

Insulinresistenz und Übergewicht bilden einen Teufelskreis: Menschen mit angeborener Insulinresistenz verwerten durch die hohe Insulinausschüttung alle aufgenommenen Kalorien und entwickeln dadurch Übergewicht, was zu einer schwierigeren Verwertbarkeit des Insulins führt. Weitere Risikofaktoren – auch schon im Kindesalter – sind seelische Belastung und Stress. Auch Kinder können am sogenannten metabolischen Syndrom, einer Kombination aus Übergewicht, Bluthochdruck sowie Fett- und Glukose-Stoffwechselstörungen, leiden. Im Gegensatz zu Kinderdiabetes Typ 1 ist nicht der Gewichtsverlust, sondern die Gewichtszunahme Krankheitszeichen.

Erblich bedingter Kinderdiabetes Typ 2

Ist der Diabetes nicht durch äußerliche Faktoren, sondern erblich bedingt, tritt zusätzlich zur Insulinresistenz eine gestörte Insulinfreisetzung in der Bauchspeicheldrüse auf. Diese erfolgt sukzessiv und kann ein Erschöpfungssymptom bei jahrelanger Überbeanspruchung der Bauchspeicheldrüse sein. Auch der erbliche Kinderdiabetes Typ 2 beruht nicht auf einer einzelnen, sondern einer polygenen Genveränderung: In der Leber steigert das Hormon Glucagon, das im Gegensatz zu Insulin den Blutzuckerspiegel erhöht statt senkt, die Zuckerneubildung.

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